Turbo-Look Register
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964 Carrera RS/R 3.8
Ein seriennahes Rennfahrzeug

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PORSCHE 964 CARRERA RS 3.8

PORSCHE 964 CARRERA RS 3.8

Das neue Buch zum Porsche 964 Carrera RS 3.8

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Zuletzt geändert: 12. Aug 2016, 12:46

964 Carrera RS/R 3.8

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Als das neue Gruppe-C-Reglement ab 1982 die Motorsportwelt veränderte, nahm die Bedeutung des Porsche 911 im Rennsport kontinuierlich ab. Zwar war mit dem auf dem 911er basierende Porsche 935 in den Händen von Privatteams noch auf allen Rennstrecken präsent und konnte als "altes Eisen" auch Ende der 80er Jahre noch Erfolge verbuchen. Werksseitig hatte Porsche aber (ab 1983 auch im Kundensport) alles auf die neuen Sportwagen vom Typ 956 und später 962 gesetzt. Der Porsche 911 bekam von Seiten des Werks in Bezug auf den Rennsport nur noch wenig Aufmerksamkeit.

Um dem Abhilfe zu schaffen hatte Porsche, nach guten Erfahrungen mit dem Porsche 944 Cup, auch für den Typ 964 einen Markenpokal, den Porsche Cup aufgelegt. Private Teams fuhren mit eigens dafür aufgebauten Cup Autos, gewichtsreduziert, leicht leistungsgesteigert und mit Rennsicherheitseinrichtungen versehen um die Meisterschaft. Wichtigste Voraussetzung waren Seriennähe und die Verwendung von identischen Fahrzeugen für alle Teams. Motoren wurden verplombt und Steuergeräte vor jedem Renneinsatz zugelost, um Manipulationen zu verhindern. Basierend auf dem 1992 aufgelegten Carrera RS 3.6 folgten Entwicklungen in Form des 964 als N-GT. Es entstanden einige wenige N-GT-Fahrzeuge für Langstreckenrennen am Nürburgring und in Spa („etwas mehr Motorleistung, ansonsten wenig Modifikationen“Roland Kussmaul), und in Amerika startete der 964 in der Super-Car-Serie.

Dieser N-GT war eigentlich seit langer Zeit wieder der erste Porsche, der zum Beispiel bei den 24h Nürburgring und den 24h in Spa-Francorchamps ins Reglement passte. Zwar hatte das Werk in Stuttgart die Entwicklung mit vorangetrieben, führte aber selbst keine Einsätze durch. Die Autos wurden von Strähle, Max Moritz und Löhr & Becker eingesetzt und von uns so gut es ging unterstützt, weiter reichenden Kundensport und offizielle Werkseinsätze gab es zu dieser Zeit bei Porsche keine.

- Roland Kussmaul

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Die Idee den Carrera RS 3.8 als Homologationsmodell und den Carrera RSR 3.8 als seriennahes Rennfahrzeug aufzubauen, wurde in einer für Porsche grundsätzlich schwierigen Phase geboren. Finanzielle Schwierigkeiten des Mutterhauses durch eine kriselnde Weltwirtschaft, Managmentfehler und viel zu hohe Produktionskosten, schufen denkbar schlechte Rahmenbedingungen für kostenintensive Aktivitäten im Rennsport. Als Reglementänderungen in der Gruppe C (von der Verbrauchsformel weg, Bernie Ecclestone stellt das Reglement auf kostenintensive 3.5-Liter- um), beschloss man auch das Ende des werksseitigen Gruppe-C-Engagements. So war die Kundensportabteilung in Weissach unter der Leitung von Jürgen Barth mit einem Schlag ohne kostendeckende Aufgabe.

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Die Initiative ging wieder von unserer Seite aus. Vom Marketing wurden wir damals unterstützt, die sagten natürlich auch, dass wir wieder etwas für den Motorsport brauchen. Das hat uns geholfen, um mit dem 964 RS 3.8 in die Kleinserie zu gehen und die Entwicklung des Rennwagens Carrera RSR 3.8 anzustoßen. Da war es dann eigentlich fast schon obligatorisch, dem Vorstand ein Konzept vorzulegen – daraus resultierten dann Einsätze im ADAC-GT-Cup ab 1993 und in der BPR-Serie ab 1994.

- Jürgen Barth

Maßgeblich brachte Roland Kussmaul als Projektleiter die Entwicklung des 964 Carrera RS 3.8 und 964 Carrera RSR 3.8 voran. Häufig war er mit neuen Bauteilen und Karosserieänderungen im Windkanal und spulte unzählige Kilometer mit den beiden Versuchsfahrzeugen auf der Teststrecke in Weissach und auf öffentlichen Straßen ab.

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Vorserie

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In Weissach bediente sich Roland Kussmaul eines Vorserien-Testwagens des Typs Porsche 964 aus dem Modelljahr 1991, der noch in der Entwicklungsabteilung vorhanden war, und baute ihn zum Vorserien-RSR 3.8 auf - eine erste praktische Machbarkeits-Studie und vor allem der Test- und Werbewagen für die kommenden Jahre.

Nach den Sommerferien 1992 bestellte die Weissacher Kundensportabteilung eine Rohkarosse bei der Porsche AG zum Aufbau eines Demonstrationsobjekts der parallel als Homologationsmodell zu fertigenden Straßenversion. Dieses Auto wurde ab Werk mit der Option M491, also im Turbo-Look mit den Karosserieteilen des Turbos, geordert. Porsche bot diese Option auch für den Carrera 4 - als Jubiläumsmodell zum 30. Geburtstag des Porsche 911 - ab Modelljahr 1993 an. Tatsächlich ist dieses Vorserienauto aus historischer Sicht der einzige real existierende 964 Carrera 2 (964330) im Werks-Turbo-Look, und ganz sicher ist es das weltweit bekannteste Auto des Typs 911 Carrera RS 3.8, obwohl es streng genommen gar kein solcher ist. Bilder von ihm lagen 1993 der Werks-Pressemitteilung bei, sind unzählige Male in Fachzeitschriften zu sehen gewesen und heute im Internet omnipräsent.

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Wer jetzt annimmt, Porsche würde diese beiden Fahrzeuge im Werksmuseum bewahren irrt. Der rote Vorserien-RSR 3.8 befindet sich derzeit, nachdem er von Porsche ohne Motor nach einem Unfall auf der Nordschleife verkauft wurde, in "überholungsbedürftigem" Zustand in Schweden. (Das private Porschemuseum Gmünd zeigt ein Plagiat). Der speedgelbe Vorserien-RS 3.8 ist in privater Sammlerhand in Deutschland.


Fertigung der Kleinserie

Die Porsche Pressemitteilung und in Folge alle Autozeitschriften und Veröffentlichungen sprechen im Zusammenhang mit dem Carrera RS 3.8 und dem Rennwagen Carrera RSR 3.8 von einer handgefertigten Kleinserie. Tatsächlich sind aber beide Fahrzeugvarianten auf dem normalen Band parallel zur Serienproduktion im Porschewerk gefertigt worden.

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Nach dem Rohbau wurden die Fahrzeuge zur Fa. Matter verbracht, die notwendigen Schweißarbeiten des Sicherheitskäfigs erledigt, um dann wieder die Serienfertigung bis zum Fertigungspunkt 6A zu durchlaufen. Dort ausgesteuert verbrachte man die weitgehend fertigen Autos nach Weissach, wo Restarbeiten, Korrekturen und der Einbau von Rennsportteilen in Handarbeit erfolgten. Das erste gefertigte Auto ist WP0ZZZ96ZPS497062, der blutorange Carrera RS 3.8, der mit dem Kennzeichen BB - PW 274 auf die Presseabteilung des Porschewerks erstzugelassen wurde. Bis heute ist dieses Auto nie wieder auf einen anderen Halter zugelassen worden .


Stückzahlen

Grundlage aller vom Turbo-Look Register angegebenen Stückzahlen ist die digitale Datenbank des Turbo-Look Registers, die jeden gebauten Porsche 911 ab dem Modelljahr 1980 in seiner individuellen Spezifikation listet. Jeder dieser Stückzahlangaben steht eine vergebene Fahrgestellnummer und somit ein, zumindest ehemals, existierendes Fahrzeug gegenüber. Durchgängig beziehen sich die Angaben auf den Fahrgestellnummernbereich eines jeden Modelljahres.

Ein kleiner Bogen zu der Stückzahlproblematik rund um den Porsche 911 im Allgemeinen mag erlaubt sein, denn am Beispiel der Porsche 964 RS 3.8 ist die ganze Misere um die Zahlen gut zu veranschaulichen.

Von Beginn der Produktion an erreichten das Werk wohl täglich Anfragen nach Stückzahlen, zu Farbverteilungen und exklusiven Details, egal um welche Baureihe es sich handelte. Alle Antworten darauf wurden archiviert und dienen bis heute bei ähnlichen, ständig wiederkehrenden Anfragen als Referenz. So kamen die Stückzahlangaben von Werksseite zustande, die oft nur teilweise richtig recherchiert waren. Aus einer oftmals noch laufenden Produktion ausgeklammerte Antworten passen meist einfach nicht eins zu eins zu einer Jahre später gestellten Anfrage. Wenn man berücksichtigt, dass solche Unterlagen Teil der Grundlage der bekannten Standardwerke zum Thema Stückzahlen darstellen, wird vieles klarer. Oft mussten diese ungenauen Quellen ausreichen, da weiterreichendes Material nicht mehr aufzufinden war und ist. Tatsächlich fand ein Abgleich mit den digitalen Datenbanken der Porsche AG nie statt und ist aus technischer Sicht auch niemals möglich gewesen.

Die Fragestellung …

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Es sind die Fragestellungen in ihrer unendlichen möglichen Mannigfaltigkeit, die zum großen Teil die Stückzahlenproblematik begründen. Nur eine die Frage in jeder Hinsicht beleuchtende Recherche würde eine absolute Richtigkeit der Antwort gewährleisten. Das war aber nicht der Fall. So blieben auffällig oft z.B. die rechtsgelenkten Autos bei Antworten unerwähnt. In anderen wurden nur bestimmte Märkte aufgeführt, oder Autos für einzelne Märkte nicht berücksichtigt oder gar subtrahiert statt addiert.

Das größte Problem bei der Fragestellung und der entsprechenden Antwort ist die Unterscheidung zwischen Baujahr - in der Regel das Kalenderjahr - und Modelljahr, welches bei Porsche das fiskalische Geschäftsjahr ist und stets vor den Werksferien im Sommer endet. So ist beispielsweise das Modelljahr 1980 von ca. August 1979 bis ca. Juni/Juli 1980 zu rechnen. Ein im September 1992 gebautes Fahrzeug stammt in der Regel aus dem Modelljahr 1993. Leider trifft das aber nicht durchgehend zu. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass Porsche regelmäßig Fahrzeuge, bei deren Modelleinführung, intern einem bestimmten Modelljahr zuordnete, sie aber mit Fahrgestellnummern eines anderen Modelljahres ausstattete. Berücksichtigt man bei der Recherche nur das Modelljahr, kommen völlig andere Zahlen zustande, als bei der Betrachtung der Fahrgestellnummern. Somit ist eine verständliche Beantwortung mancher Frage auch bei größtem Sachverstand oftmals schwierig und in knappen informativen Sätzen gar nicht zu leisten. Ein gutes Beispiel ist die Einführung des Porsche Turbo der Baureihe 993 im Modelljahr 1996. Tatsächlich gab es bereits Fahrzeuge ab März 1995 mit einer Fahrgestellnummer aus dem Modelljahr 1995 (S-Serie). Porscheintern gehören diese Autos aber alle zum Modelljahr 1996. Ähnlich verhält es sich beim Turbo S Leichtbau des Modelljahrs 1992, mit der Folge, dass fünf real existierende Autos aus dem Modelljahr 1993 wohl auch in der offiziellen Porschedatenbank als nicht mehr auffindbar gelten.

Eine bedenkliche Situation, die sich in Bezug auf den RSR 3.8 ebenso darstellt.

Oft wird auch einfach der angegebene Fahrgestellnummernbereich, bei 0001 beginnend und mit der - meist richtig festgelegten - Endzahl der Produktion endend, zur Bestimmung der Stückzahlen herangezogen. Wie falsch das ist, beweist z.B die Tatsache, dass für das 1979er Turbo Coupe für die USA gar nicht genügend Motoren gebaut wurden, um die in allen Büchern niedergelegten Stückzahlen erreichen zu können. Tatsächlich wurden bei Porsche stets Fahrgestellnummernbereiche für Vorserien und Versuchsfahrzeuge reserviert. Außerdem wurden keineswegs regelmäßig alle Fahrgestellnummern des jeweiligen Bereichs durchgängig vergeben.


Stückzahlen 964 Carrera RS 3.8 und 964 Carrera RSR 3.8

In den verschiedenen Standardwerken, die sich mit Stückzahlen auseinandersetzen, und bei den Angaben vom Werk, schwanken die Angaben von zum Beispiel: 90 Stück bei Marc Bongers als Gesamtstückzahl, auf dessen Angaben sich wohl auch Wikipedia bezieht. Bei Adrian Streather sind es gar 129 RS und 130 RSR, hier wird der Bereich der reservierten Fahrgestellnummern herangezogen. Paul Feré nennt eine Gesamtstückzahl von 100 Exemplaren, auf die auch Barth/Büsing hinweisen, diese Angabe aber noch in 55 RS und 45 RSR aufsplitten. Vom Porsche-Werk gibt es widersprüchliche Angaben. Zumindest bei den RSR hat man sich aber auch auf 45 Stück festgelegt. Dies ist wohl dadurch begründet, dass vier reguläre RSR 3.8, sowie eine in Verkehr gebrachte Rohkarosse, in der offiziellen Datenbank der Porsche AG offensichtlich “verlorengegangen” sind. Eine prekäre Tatsache, wenn man den Wert dieser, in Privatsammlungen befindlichen, Autos betrachtet.

Tatsächlich sind es exakt:

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Statistik

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Reihenfolge der produzierten 964 Carrera RS 3.8:

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Wird kontinuierlich überarbeitet ...